Seite 1 von 2

Ein Fohlen aus meiner Stute?!

Verfasst: Sa, 26. Jan 2008 15:26
von Barbara I
Ich habe eine Araberstute und sie steht auf einer Anlage, die optimal zur Fohlenaufzucht geeignet ist. Und jetzt denke ich darüber nach, mit ihr ein Nachwuchspferd für mich zu ziehen.

Nun könnte ich einen Araber aussuchen. In Frage käme aber auch ein Vertreter einer "Barockrasse", nur da kenne ich mich (noch) nicht gut aus. Kann das schief gehen? Welche Rassen wären empfehlenswert?
Bisher kenne ich Araber-Berber und Arabo-Friesen, die mir sehr gut gefallen.

Das Nachwuchspferd soll die Freude am Vorwärts und den "Biss" vom Araber haben, aber auch eine möglichst gute Veranlagung für die klassische Dressur. Die Karriere des Pferdes wird die eines vielseitig ausgebildeten Freizeitpferdes sein, also kein Spezialist (und keine Turnierambitionen).

Ich bin gespannt auf Eure Meinungen, Ideen, konstruktive Kritik...

Verfasst: Sa, 26. Jan 2008 17:34
von Sunknúni
Ganz ehrlich?
Ich würde dir abraten, selber ein Fohlen zu ziehen. Warum? Du hast vermutlich schon ganz genaue Vorstellungen, wie das Fohlen sein soll. Vor allem soll es vermutlich viel von der Mutter haben. Klar der Vorteil ist, dass man von Anfang an dabei sein kann, die Erziehung komplett in der Hand hat, etc. ABER was ist, wenn das Fohlen nicht deinen Wünschen entspricht? Wenn es vom Exterieur nicht so ist, wie du willst, vom Charakter? Letztendlich ist es ein Spiel mit dem Ungewissen. du steckst Zeit, Geld und Herzblut rein und hast am Ende evtl. ein Pferd, das du nicht wirklich willst, aber auch nicht abgeben willst, da es DEINS ist. Mir wäre das zu heikel und ich würde lieber so ein Pferd suchen. Denn da kannst du nein sagen...

Verfasst: Sa, 26. Jan 2008 18:42
von Barbara I
Ja, genau diese Gedanken habe ich mir auch gemacht bzw. mache es immer noch. Aber genau das ist was ich will, das Kleine selbst großziehen und von Anfang an selbst ausbilden. Und ja, es soll viel von der Mutter haben :D

Deine Bedenken sind wirklich naheliegend. So gesehen wäre es vernünftig, einen guten Araber zu nehmen der meiner Stute möglichst ähnlich ist, um Überraschungen zu vermeiden?!

Andererseits sind die Araber-Mischungen (-Berber, -Friesen) die ich kenne, ganz tolle Pferde und vereinen scheinbar die Stärken ihrer Eltern. Ist das Zufall?

Dass ein Restrisiko immer bleibt und dass es in jedem Fall ein "teures" Pferd wird, ist mir klar...

Verfasst: Sa, 26. Jan 2008 19:06
von Preferida
Also ich würde auch dazu tendieren, dass wenn Züchten dann auch mit der gleichen Rasse.
Würde einen Charakterlich einwandfreien und nett gebauten Arabären auswählen, denke dann sind die Chancen groß das auch was nettes rauskommt.

Verfasst: Sa, 26. Jan 2008 19:59
von Sheitana
Hallo Barabra!

Der Vorteil, wenn du einen Araber nimmst ist, dass du einmal relativ genau abschätzen kannst was rauskommt. Damit meine ich du weißt, dass ein Araber rauskommt, bei einem Mix kann so alles Mögliche bei rumkommen und du weißt nicht, ob es dann nachher passt. Zweitens, solltest du es verkaufen müssen, dann kannst du es immer ein wenig teurer verkaufen.

Welche Fragen du dir aber auch noch stellen solltest: Wie alt ist deine Stute und hatte sie schon einmal Fohlen?

LG
Sheitana

Verfasst: Sa, 26. Jan 2008 20:24
von emproada
Ich würde, wenn ich eine Araberstute hätte, diese auch nur mit einem Araber ankreuzen. Natürlich gibt es tolle Mix-Pferde, aber es gibt leider auch mindestens genauso viele, bei denen vom Exterieur gar nichts zusammenpasst.
Auch Araber-Pony Anpaarungen können z.B. sehr heikel sein, wenn ein Ponysturkopf mit dem Temperament eines Arabers zusammen kommt.

Und auch wenn Du das Fohlen aus irgendeiner Notsituation ( auch wenn man daran nicht gerne denkt!) verkaufen müsstes, so ist dies doch mit einem reinrassigen Pferd zumindstens meistens etwas einfacher.

Nur so als Gedanke! :wink:

Verfasst: Sa, 26. Jan 2008 21:06
von Sheitana
@ emproada Ja, so meinte ich das auch, man will schließlich kein Pferd mit Friesenbrust und Arabera**** :wink: Nur so als Beispiel...

LG
Sheitana

Verfasst: Sa, 26. Jan 2008 21:11
von emproada
@Sheitana: Das versuche ich mir gerade bildlich vorzustellen... :lol:

Verfasst: Sa, 26. Jan 2008 21:27
von Sheitana
emproada hat geschrieben:@Sheitana: Das versuche ich mir gerade bildlich vorzustellen... :lol:

Bei meiner früheren Warmblutstute stimmte das Verhältnis nicht ganz, das ist kein Problem, aber das will man nicht unbedingt haben. es sah immer! so aus als hätte sie keine HH-Muskeln, zumindest für Außenstehende. Und bei einer Kreuzung Araber/Barock stelle ich mir das wesentlich schlimmer vor.. :roll: :lol:

Verfasst: Sa, 26. Jan 2008 22:50
von Janina
Ich denke, der Vorteil einen Araber zu nehmen, wäre vor allem, dass man gerade bei Arabern (so man einen erfahrenen Züchtern um Rat fragt) zieml. genau "abschätzen" kann, welche Hengste wie vererben (aufgrund der stark betriebenen Linien- bzw. teilweise auch Inzucht, die geschickt angewandt schon auch ihren Sinn hat).

"Mixe" zw. Arabern u. Iberern sind zwar auch nichts Neues, allerdings würde ich die umgekehrte Anpaarung, also Mutter Iberer, Vater Araber vorziehen (aber das ist Ansichtssache) :wink:

Zudem musst du dir überlegen, ob du evtl. von zukünftigem Fohlen ebenfalls gerne einen Nachkommen hättest (es gibt Menschen, die lassen da so eine grundsätzliche Tendenz erkennen :P ).
Das schließt sich mit einem "Mix" fast aus, weil selbst gelungen Exemplare aus der ersten "Tochtergeneration" bringen nur noch in absoluten Ausnahmefällen auch solche Nachkommen (hatte da mal ein interessantes Gespräch mit Rolf Janzen, der selbst ja auch einen Tres sangue hat).

Darüber würde ich mir halt vorher klar werden.

Außerdem ist es natürl. wichtig zu wissen, was man gerne von den Elterntieren auch am Fohlen sehen würde. ABER die andere Seite wäre mir persönlich die wichtigere, also die Frage, ob ich mit einem "worst case" aus beiden auch noch leben könnte (d. h. ich muss mir besonders über die "Fehler" oder besser "Schwächen" beider Elterntiere absolut im Klaren sein).

Und um noch mal gaaanz ehrlich zu sein: Ich würde meine Stute auch mal objektiv beurteilen lassen (so fern du das nicht schon getan hast): Also zu einer Zuchtstutenschau (vom VZAP oder ähnliches wird es bestimmt auch vom ZSAA geben) u. da mal ganz objektiv hören, wie die Qualität der Stute von Fachleuten gesehen wird u. wo diese in ihrem Exterieur Stärken u. Schwächen sehen.
Auch das wäre eine guter Ausgangspunkt, um den passenden Hengst auszuwählen.

Liebe Grüße,
Janina

Verfasst: So, 27. Jan 2008 07:37
von Junito
Mixe sind immer Zufallsprodukte. Ich selber hatte mir einen Iberermix als 3-jährigen gekauft. Er hat sich als tolles Pferd herausgestellt, mit dem ich aber auch oft meine liebe Not hatte. Wie viele Mixe hat er auch einen höchst eigenen Charakter, mit dem man erst mal klarkommen und sich arrangieren muss. Nun musste ich ihn abgeben und ihn fast verschenken. Súnknuni hat ihn nun übernommen und was da abgeht, kenne ich sehr gut.

Sicher Cruzados können tolle Pferde sein, aber eben auch manchmal nicht ganz einfach. Und viele sind auch eher als Distanzler geeignet und gar nicht so sehr für die klassische Dressur.

Ich würde nicht nur wie von Janina beschrieben die Stute beurteilen lassen, sondern auch versuchen, einen Hengst zu finden, bei dem man Erfahrung mit Cruzadozüchtung hat. Und das wird in Deutschland schwierig werden, da hat man wohl in Spanien viel mehr Erfahrung.

Wenn du unbedingt ein Fohlen aus deiner Stute möchtest, würde ich eine reinrassige Anpaarung machen.

Wenn du unbedingt ein Barockpferd "von Anfang an" willst, würde ich auf ein Gestüt fahren, mir die Fohlen ansehen, und da eins aussuchen. Ist zwar immer noch eine Überraschungskiste, aber wohl immer noch besser. Dann mit deinem Araberzüchter sprechen, ob das Kleine dann bei den Arabären aufwachsen darf. Denen ist zum Glück die Rasse völlig egal. Dann kannst du das Kleine auch bei dir aufwachsen sehen.

Verfasst: So, 27. Jan 2008 08:08
von BM Bazooka
Ich habe eine Westfalenstute, die mütterlicherseits ein viertel Shagya ist. Diese Shagya-Stute wurde mit einem Trakehner angepaart.

Wenn Du in Richtung Dressur für Dein Fohlen möchtest, würde ich folgende Möglichkeiten sehen, die dem Einsatz des Araberblutes in der Zucht entsprechen.

1. Anpaarung mit einem dressurbegabten Araber. Diese gibt es durchaus. ich würde empfehlen, da vor allem mal bei den Hengsten des ZSAA - Zuchtverbandes für Sportpferde mit Araber-Abstammung - reinzuschauen. Dort ist vom Reinzucht-Araber über Anglo-Araber bis zum Partbred alles dabei. Ein kleiner Verband, bei dem man durchaus auch eine Zuchtberatung bekommen kann.
Bei den partbreds ist vom Trakehner bis zum Warmblut alles dabei. Die haben z.B., wenn Du nicht vor Schimeln zurückschreckst, einen genialen, recht baroken Anglo namens Pampero, übrigens Sieger der Hengstleistungsprüfung.

2. Die klassische Anpaarung mit einem Vollblüter. es gibt durchaus Vollblüter mit Dressurpferdepoits wie z.B. Cavallieri oder Likoto.

3. Anpaarung mit einem Trakehner oder Trakehner mit ox-Anteil. da sind einige sehr interessante Hengste vorhanden, die z.T. auch beim ZSAA im HVP sind.

Verfasst: So, 27. Jan 2008 08:23
von Ielke
Ich geb auch mal meinen Senf dazu :wink:

Hab mich mit dem Thema schon "von der anderen Seite" beschäftigt, in der Friesenwelt gibts ja auch Leute die irgendwelche Mixe für spannend halten bzw. die "Erfindung" des Arabo-Friesen (das ist übrigens kein 50/50-Produkt sondern im Lauf der letzten Jahre war da mal bischen Araber drin, der Anteil wurde aber auf unter 20% zurückgezüchtet weil man ja eigentlich doch mehr Friese drinhaben will...).

Auch wenn es gelungene Mixe geben mag (jetzt allgemein, nicht friesenbezogen) ich bin da nicht so begeistert von. Kommt natürlich auf die Pferde drauf an (Warmblut x Araber mag ja noch zusammenpassen) aber so Geschichten wie Friese (zwar auch Warmblut aber vom Körperbau her doch ne andere Kategorie) x Araber oder Spanier, Haflinger x Araber (seltsam, nach der Kreierung der ach-so-tollen Sport-Arabo-Haflinger hab ich in meiner Umgebung mitbekommen, dass viele Leute lieber wieder Araber-freie Haflinger suchen weil da einfach die Charaktere und Exterieure nicht immer wirklich super zusammenpassen).

Klar ist es toll, ein Fohlen aus der eigenen Stute zu ziehen. Andererseits kann man auch eine tolle Beziehung zum Pferd aufbauen, wenn man es als Absetzer kauft, evtl. schon vorher kennt und in diesem Fall aber das Exterieur und den Charakter (mutig? ängstlich? neugierig? anhänglich? ....) schon bischen abschätzen kann

Verfasst: So, 27. Jan 2008 10:25
von acoma
Ich denke, wenn man das Fohlen verkaufen möchte, tut man sich um einiges leichter, wenn man ein reinrassiges Fohlen gezüchtet hat.

Dennoch habe ich schon großartige Lusoaraber gesehen. In Portugal werden sie immer öfter zum Stierkampf eingesetzt. Aus diesem und anderen Gründen hat sich ein Freund dazu entschieden, im Frühjahr dieses Jahres seine spanisch gezogene Vollblutaraberstute von meinem Lusitanohengst decken zu lassen. Wir freuen uns schon sehr auf das Ergebnis, obwohl uns auch bewusst ist, dass dies auch ins Auge gehen kann. Trotzdem sehen wir positiv in die Zukunft. Wenn man aber ein solches Pferd wieder verkaufen will, kann es unter Umständen äußerst lange dauern, bis man einen geeigneten Besitzer gefunden hat, da bei weitem nicht jeder mit dieser sensiblen Kreuzung umgehen kann.
Nächstes Jahr werde ich hoffentlich die ersten Bilder des Fohlens im Forum präsentieren können.

Verfasst: So, 27. Jan 2008 20:11
von Ravina
Eine Frage an alle hier, die schon gezüchtet haben: wieweit unterstützt einen blutigen Anfänger dieser Materie der jeweilige Zuchtverband? Habt ihr damit auch Erfahrungen?

Anneli, die irgendwann ein reinrassiges Lipizzanerfohlen züchten möchte.......