Perfektionismus

Allgemeines rund ums Pferd

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Alix_ludivine
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Re: Perfektionismus

Beitrag von Alix_ludivine »

Susanne hat geschrieben:Aber ist es nicht vielleicht übertrieben, dieses Idealbild im Alltag ständig erfüllen zu wollen? Oder ist das überhaupt möglich? Was meint Ihr dazu?
Hm.. Man sollte den Perfektionismus im Auge behalten, aber nicht so, dass es weh tut... Der Weg muss stimmen... Also wenn ich jemanden habe, der mir sonstwas erzählt und dann auf dem Pferd ist es einfach nur "autsch", dann stimmt der Weg nicht... Mir ist es lieber, wenn die Leute "nett" reiten, egal auf welchem Niveau. Da dürfen auch Fehler gemacht werden..

Ich sehe das also relativ locker :wink: Hauptsache das Köpfchen reitet mit, dann kommt der Weg von alleine.

LG Alix
"Erst gehen lernen, dann dressieren" (Udo Bürger)
skywalker

Beitrag von skywalker »

Sheitana hat geschrieben:@ skywalker Du sprichst mir echt aus der Seele :lol:

Ich frage mich, wie man sich sowas abgewöhnen kann bzw. es in den Griff bekommt.
Bei manchen Dingen (nicht unbedingt aufs Reiten bezogen) hilft es mir, wirklich ganz bewusst zu denken: so what? Und es bewusst so zu belassen, wie es ist, ohne es in dem Moment verbessern zu wollen.
z.B.: Ich habe schief eingeparkt. Statt nochmal einzusteigen, 100x vor- und zurückzuschieben und dann (vielleicht) noch immer schief zu stehen und mir zu denken, was für ein Einpark-Versager ich bin :roll: , schau ichs bewusst an, denk mir: so what, behindert ja keinen, ist nur optisch nicht "perfekt", Rücken zudrehen und fertig.

Bei mir (für andere mag ich nicht sprechen!) liegt es in geringem Selbstwertgefühl. Es ist quasi die Angst, dabei ertappt zu werden, dass man was nicht gut kann. Im Fall des schiefen Einparkens: Womöglich geht ja wer vorbei und denkt sich: was hat da wieder für eine unfähige Person eingeparkt, tsts.
In Wirklichkeit: Stört doch keinen ... :roll: Die meisten SEHEN nicht mal das, was mich oft an meinen (mangelnden) Fähigkeiten stört. Also: "so what" + "wen interessiert's??"

Also mir hilfts halt, mir bewusst zu machen, dass ich mich gerade an einer wirklichen Lächerlichkeit von Perfektionismus übe. Und mich an dem erfreue, was doch gelungen ist (im Beispiel: dass ich z.B. überhaupt in die Parklücke reingetroffen habe...).

Zum Pferdesport: Warum hier besonders viel kritisiert und gelästert wird, liegt m.E. daran, dass hier eben mit einem Lebewesen umgegangen wird. Wer hier Fehler macht, wird schnell zum Tierquäler, der einem hilflosen Lebewesen schadet. Da möchten viele mit ihrer Kritik zeigen, dass sie den Fehler sehen und nicht gutheißen - dem Tier zuliebe. Während man bei anderen Sportarten nur den eigenen Körper ruiniert. Wenn man im SChwimmbad jemanden sieht, der durch seinen Schwimmstil garantiert seiner eigenen Wirbelsäule schadet, kommt man glaub ich weniger auf die Idee, zu lästern oder kritisieren - ist ja sein Körper, was er/sie damit macht, geht einen nix an.
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Josatianma
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Beitrag von Josatianma »

Puh, den ersten Teil habe ich jetzt mal nachgelesen, jetzt juckt es erstmal in den Fingern.

@BigMama: Meinst du meinen Spruch?


Ich kann Susanne glaube ich ganz gut verstehen. Mir geht es auch oft so. Nehmen wir doch als Beispiel mal eine Pferdegala, egal wo. Wer von uns kann noch hingehen und sagen: einfach nur schön. Nein, bei den Wienern bemerken wir, daß da einer nicht so tolle läuft (hat vielleicht einen schlechten Tag), bei einem Friesen mit Halsseil ist es eventuell das zuviel Gezuppel am Seil ... . Ich denke die Beispiele reichen. Ich erwische mich dabei selbst auch ganz oft. Ich sehe nun reichlich Shownummern der unterschiedlichsten Art, aber kann ich sie einfach nur schauen und genießen. Eher selten, da ich immer etwas zu bemängeln finde.

Es geht hier weniger um die Kritik an den großen Größen, sondern um den Perfektionismus, der immer erwartet wird. Ich selber sehe oft andere Piaffen und frage mich, warum mir das was Pico bietet nicht reicht. Bin ich zu anspruchsvoll oder habe ich dafür noch nicht das richtige Auge? Ich kann auf Kritik auch mal im ersten Moment angepickst reagieren, je nach Tonfall. Aber nur durch Kritik kann ich mich weiterentwickeln.
Liebe Grüße, Sabine

Ideale sind wie Sterne, man kann sie nicht erreichen, aber man kann sich an ihnen orientieren

"Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt" Mahatma Gandhi
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Alix_ludivine
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Beitrag von Alix_ludivine »

Josatianma hat geschrieben:Ich kann Susanne glaube ich ganz gut verstehen. Mir geht es auch oft so. Nehmen wir doch als Beispiel mal eine Pferdegala, egal wo. Wer von uns kann noch hingehen und sagen: einfach nur schön. Nein, bei den Wienern bemerken wir, daß da einer nicht so tolle läuft (hat vielleicht einen schlechten Tag), bei einem Friesen mit Halsseil ist es eventuell das zuviel Gezuppel am Seil ... . Ich denke die Beispiele reichen. Ich erwische mich dabei selbst auch ganz oft. Ich sehe nun reichlich Shownummern der unterschiedlichsten Art, aber kann ich sie einfach nur schauen und genießen. Eher selten, da ich immer etwas zu bemängeln finde.
Aber das ist einfach, weil man eben in der Materie drin steckt... Geht jedem anderen auch so, wenn man sich intensiver mit einem Thema beschäftigt.

Bekannte von mir sind z.B. bei der Berufsgenossenschaft und die können auch nicht mehr "normal" durch die Gegend laufen. Die sehen überall Gefahrenquellen :lol:

LG Alix
"Erst gehen lernen, dann dressieren" (Udo Bürger)
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Beitrag von Sheitana »

@ skywalker Da werde ich mir mal merken, vor allem den Spruch "So what".
Aber du triffst mit deiner Erklärung den Nagel auf den Kopf... :roll:

Wo ich allerdings nicht ganz zustimmen kann ist die Begründung, warum bei der Reiterei soviel kritisiert wird.
Im alten Stall waren viele, die über mich gelästert haben, "weil ich ja nicht ordentlich reiten kann, da ich das PFerd nicht gescheit ran nehme". Denen war es sch**** egal ob sie ihren Pferden weh tun oder nicht, wenn der Gaul nicht gespurt hat wurde drauf gehauen.

Ich glaube eher, es wird sowas gemacht, damit man sich selbst besser zur Schau stellen kann. Oder vielleicht um von eigenen Schwächen abzulenken?

Sicherlich, es gibt da solche und solche und vielen wird auch an dem Wohl des Pferdes liegen, aber ich habe leider auch viele kennen gelernt, denen es nur um Selbstverherrlichung ging. Leider...
LG
Sheitana
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Medora
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Beitrag von Medora »

Tja,

das ist ja auch eines meiner Lieblingsthemen und es ist sooo groß, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll.

Vielleicht hier: In meinen Kursen zum kreativen Schreiben habe ich die meiste Zeit meiner Energie darin investiert, den Leuten MUT zu machen, überhaupt zu schreiben. Die waren oft so von Selbstkritik und der (meist unbewussten) Angst davor, Mist zu schreiben, zerfressen, dass sie kaum richtig loslegen konnten. Deshalb gab es bei mir in den Kursen eine Grundregel: "Wenn Du nichts Gutes sagen kannst, sage gar nichts." Damit sollte nicht Kritik ausgeschaltet werden, aber jeder, der etwas zu einem Text sagen wollte, sollte eben den Fokus auch auf das Positive legen (das es IMMER gab!). Auf diese Weise haben wir alle unendlich viele Perlen entdeckt und der Mut zum Schreiben wurde bei allen größer. Und jep, gelernt haben sie auch noch was, weil jeder ja durch die Auseinandersetzung mit den Texten anderer und durch mein Feedback, was ebenfalls die gelungenen Passagen heraushob, merkte, was an anderen Texten vielleicht noch besser ist als an den eigenen.

Tja, soweit so gut - ich schaffe es nur leider nicht, diese Grundeinstellung mit rüber zum Bereich Pferde zu nehmen. Da werde ich oft wieder zur gnadenlosen Kritikerin vor allem von mir selbst. Da man ja aber meist so zu anderen ist, wie man auch zu sich selbst ist, habe ich diesen kritischen Blick eben auch bei anderen.

Und jep, Susanne, ich denke, damit macht man es sich und anderen unnötig schwer. Wenn ich mir vorstelle, was passieren würde, wenn Reiter/innen aufhören würden, einander zu kritisieren und sich vielmehr darin unterstützen würden, immer mehr "gute Sachen" zu übernehmen... - ja, ja, ich bin schon wieder in meiner kleinen Traumwelt.

Aber mal ehrlich, die Reiterei ohne Kompetenzgerangel, Gehetze und gegenseitiges Fertigmachen könnte vor allem auch den Pferden zugute kommen...
Medora
skywalker

Beitrag von skywalker »

Sheitana hat geschrieben:
Wo ich allerdings nicht ganz zustimmen kann ist die Begründung, warum bei der Reiterei soviel kritisiert wird.
Im alten Stall waren viele, die über mich gelästert haben, "weil ich ja nicht ordentlich reiten kann, da ich das PFerd nicht gescheit ran nehme". Denen war es sch**** egal ob sie ihren Pferden weh tun oder nicht, wenn der Gaul nicht gespurt hat wurde drauf gehauen.
Hm, ich glaube trotzdem, dass jeder glaubt zu wissen, was für Pferde am besten ist. Manche meinen eben, man mus ein Pferd "gescheit ran nehmen", weil es sonst in schädlicher Haltung läuft. Oder unterfordert ist.

Jeder hat eigene Vorstellungen, was den PFerdesport angeht, aber ich glaube, jeder von ihnen ist im Grunde überzeugt, dass es so wie er glaubt, fürs Pferd am besten ist.

Der eine meint, wenn du die Zügel zu locker hältst - schadest du dem PFerd (weil es auf der Vorhand latscht oder was auch immer) - übt Kritik: nimm mal den Zügel ordentlich auf.
Der nächste meint, wenn du die Zügel aufnimmst, reißt du das Pferd im Maul. Und übt KRitik: lass mal lockerer.
Der nächste meint, ohne Gebiss läuft jedes Pferd glücklicher.
Der übenächste sagt: Treib mehr, die Hinterhand ist nicht aktiv.
Der überübernächste: Hör bloß auf, so viel zu treiben.

Jeder von denen meint, das richtige fürs Pferd zu tun; aber jeder würde den anderen vorwerfen, nicht pferdegerecht zu reiten.
Also ich glaube nicht, dass irgendjemand bewusst seinem Pferd Schaden zufügt (ich rede weiter von Hobby-Reitern, nicht denen, die damit wirklich ihr Geld verdienen, da mag es anders sein...).

Mir selbst haben auch einige geraten, "mal drauf zu hauen" (da gings mehr um Respekt im allgemeinen Umgang, nicht Reiten, aber trotzdem). Und die haben auch das nicht in tierquälerischer Absicht gesagt, sondern weil sie meinten, das Pferd braucht Grenzen gesetzt.

Ich kenne das GElästere mehr in der Form von Leuten, die am Hallenrand sitzen, zusehen und einander zuflüstern, wie sehr nicht x sein Pferd quält, weil es zu eng ist, y weil ihr Pferd zu tief v/a geht, z, weil ihr Pferd keine Abschwitzdecke trägt, w, weil sein Pferd nicht auf die Koppel kommt, v, weil ihr Pferd bei REgen SCHON auf die Koppel kommt, etc. etc.
Also das Gelästere/die Kritik, die ich kenne, geht mehr in die Richtung: "Jeder quält eigentlich sein Pferd, außer mir selbst."

Aber es mag anderes auch noch geben... :roll:
Sheitana
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Beitrag von Sheitana »

@ skywalker Für mich ist es aber überhaupt nicht nachvollziehbar, dass man ein Pferd z.B.nochmal über den Parcours prügelt, weil es ein Hindernis gerissen und sich dabei verletzt hat. Und das ist jetzt nicht übertrieben, sondern wirklich passiert. Da wird im Maul gerissen, gezerrt und gezogen, die Sporen reingehauen und mit der Gerte verdroschen bei Pferden, die sich nie nicht gegen den Menschen richten würden und eigentlich nur darauf bedacht sind nichts falsch zu machen.

Ich weiß nicht, ob das jetzt was vom Thema abkommt. Aber mir ist völlig unverständlich, dass jemand denken kann, dass DAS der richtige Weg ist und davon grundsätzlich überzeugt ist. Habe diese Leute nicht vielleicht eher Angst vor ihren Pferden? Wissen es nicht besser?

Vielleicht bin ich einfach auch zu naiv zu glauben, dass sie das nicht wirklich ernst meinen... :roll:

Weil da gibt es eigentlich keinen richtige oder falschen Weg, egal aus welcher Sichtweise man das sieht. Dem Tier Schmerzen zufügen ist zwangsläufig immer der Falsche.
LG
Sheitana
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minou
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Beitrag von minou »

Ich bin im Alltag eher das Gegenteil von einem Perfektionisten. Ich bin immer sehr schnell zufrieden mit allem.
GsD ist das auch bei meinem Pferd so. Ich habe immer nur ganz kleine Ziele und steige fast immer freudestrahlend vom Pferd. Ich hab natürlich auch das beste Pferd der Welt! *überhauptnichtbescheidenbin*
Es macht mich schon superglücklich wenn ich sehe, wie motiviert mein Knabbi bei der Arbeit ist. Ich verlange nicht viel und doch machen wir beide tolle Fortschritte.

Dagegen wenn ich mal anderen Reitern helfen soll, möchte ich am liebsten alle Fehler gleichzeitig ausmerzen und überfordere gnadenlos die armen Hilfesuchenden. Da neige ich trotz meiner bescheidenen Fähigkeiten zu Perfektionismus.

Die Turnierreiterei kann ich leider auch nicht mit Genuß anschauen. Als Klassikreiten-Foren-User kann ich das nicht mit meinem Gewissen vereinbaren. :wink:

LG
Carola
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Indem uns das Pferd sein Vertrauen schenkt, fordert es uns zu einer disziplinierten Reitweise auf. Charles de Kunffy
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LaBuscadora
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Beitrag von LaBuscadora »

Es ist wirklich erstaunlich, wie viele gerade im Bereich der Reiterei den höchsten Ansprüchen genügen wollen und an Fehlern und Schwächen verzweifeln, während in anderen Lebensbereichern viel toleranter und selbstbewusster mit den eigenen Unzlänglichkeiten umgegangen wird und sehr viel realistischer die "Umstände", also übertragen - Alter des Pferdes, eigene Erfahrung usw. in die Selbstwahrnehmung einbezogen wird.

Ok, ich nehme mich da überhaupt nicht aus, mir geht es ja genauso, ich blockiere mich auch dauernd selbst und erstarre förmlich, wenn gewisse Menschen am Viereck oder der Halle auftauchen, dann kann ich auch gleich aufhören zu reiten.

Es kann doch auch nicht nur daran liegen, dass man es mit Lebewesen zu tun hat, denn viele von Euch haben ja auch Hunde, Katzen oder andere Viecher.
Ich gehe einfach mal davon aus, dass jeder hier das Beste für seine Viecher möchte und sich viele Gedanken macht um artgerechte Haltung, Ausbildung, Fütterung usw macht, sponst gäbe es dieses Forum wohl nicht.

Bei meinen Hunden bin ich z.B. sehr viel selbstsicherer, wenn es darum geht zu entscheiden, das finde ich gut und richtig und kann meine Meinung auch entsprechend vertreten. Liegt sicherlich auch daran, dass ich mich schon sehr viel länger mit dem Thema Hund beschäftige als mit Pferden.

Was mir immer etwas Auftrieb gibt ist die Aussage meiner RL -- die ist nämlich auch immer angefeindet und niedergemacht worden, aber sie ist ihren Weg gegangen und hat auch viel erreicht mit ihren Pferden.

Also versuche ich, das zu machen, was mir logisch und für mich und mein Pferd in der derzeitigen Situation sinnvoll erscheint und das Andere "auszublenden", auch wenn es schwer ist und manchmal echt weh tut und am Selbstvertauen nagt.
Und die regelmäßige Reflektion dessen, was ich mache und Überprüfung, ist es noch das, was "gut" ist, bleibt natürlich immer vorhanden.
Und weiter lesen, lernen, diskutieren .....und natürlich weiterarbeiten und sich mit dem eigenen Pferd auseinandersetzen.
Das Pferd gibt doch eigentlich immer die richtige Antwort, wenn man zuhört, und verzeiht sogar Fehler, wenigstens meiner, der ja ein ganz Netter ist.

Lg
LaBuscadora
Sheitana
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Beitrag von Sheitana »

@ LaBuscadora Komischerweise geht es mir bei Hunden ähnlich. Mir ist es schon ganz oft passiert, dass ich mit meinem Hund mal geschimpft habe und direkt zu hören bekam "Och das arme Tier, sei doch nicht so grob zu dem". Deswegen halte ich mich auch da oft zurück.
Aber das ist eigentlich nicht das Problem anderer Menschen, sondern nur von mir selbst, dass ich nicht sagen kann "Ruhe, ich mache das so und nicht anders". Da fehlt es mir leider an Selbstvertrauen.
Ich schlage meinen Hund nicht, natürlich nicht, aber ein lautes und bestimmtes "Nein" und ein Ablegen trifft bei vielen auf wenig Gegenliebe. Gerade Hunde werden doch viel zu oft verhätschelt.
LG
Sheitana
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lalala

Beitrag von lalala »

Sheitana hat geschrieben:@ skywalker Für mich ist es aber überhaupt nicht nachvollziehbar, dass man ein Pferd z.B.nochmal über den Parcours prügelt, weil es ein Hindernis gerissen und sich dabei verletzt hat. Und das ist jetzt nicht übertrieben, sondern wirklich passiert. Da wird im Maul gerissen, gezerrt und gezogen, die Sporen reingehauen und mit der Gerte verdroschen bei Pferden, die sich nie nicht gegen den Menschen richten würden und eigentlich nur darauf bedacht sind nichts falsch zu machen.
Ein unreiterliches Verhalten - ohne Frage. Wobei ich niemanden kenne, der ein verletztes Pferd durch einen Parcours prügeln würde.

Trotzdem sollte man manchen Reiter nicht sofort verurteilen...jeder hat schon mal ungerecht gestraft, im Maul gezogen usw und man gerät immer mal wieder in Situationen wo der Reflex leider die völlig falsche Reaktion beinhaltet.

Auch reiterliche Unkenntnis kann schnell zu Fehlurteilen führen.
"Warum hast du das Pferd denn gerade mit der Gerte gehauen ? Es hat doch nichts gemacht" - "Ja - eben. Weil es nichts gemacht hat !" So eine Situation verstehen doch schon viele falsch....
skywalker

Beitrag von skywalker »

Sheitana hat geschrieben:Da wird im Maul gerissen, gezerrt und gezogen, die Sporen reingehauen und mit der Gerte verdroschen bei Pferden, die sich nie nicht gegen den Menschen richten würden und eigentlich nur darauf bedacht sind nichts falsch zu machen.
Das ist ja das Problem: Der Blickwinkel...
Wenn du diese Leute mit diesen Worten konfrontierst: "du hast grad im Maul gerissen, am Zügel gezerrt, die Sporen reingehauen und mit der Gerte verdroschen!" - Auf diese Anschuldigung werden die Betreffenden sicher entrüstet all das von sich weisen und sagen: ich hab eine Parade gegeben, die Hinterhand mit dem Sporn aktiviert und mit der Gerte unterstützt, da keine Reaktion kam." Und daran glauben sie sicher auch!

Ich glaube einfach nicht, dass ein Freizeitreiter dir darauf antworten wird (außer er ist mit Sarkasmus ausgestattet ;-) : "Genau, ich reiß immer im Maul wenn er so rennt, damit er sich's merkt, der Gaul, ich hau auch gern die Sporen rein, weil ich hab mein Bein nicht unter Kontrolle, und stimmt, ich verdresche mein Pferd immer so mit der Gerte!"

Dieses "Lästern" bzw. Kritik kann ja in beide Richtungen gehen.

Die einen kritisieren: "Die geht viel zu lasch mit dem PFerd um, lässt ihm alles durchgehen, aktiviert die Hinterhand nicht, lässt ihn dauernd am langen Zügel auf der Vorhand latschen, ein Gertenklaps wär jetzt angebracht, ..."
Die andern kritisieren in die andere Richtung: "Die reißt im Maul, hat die Zügel viel zu kurz, haut die Sporen rein, verdrischt das Pferd mit der Gerte!"

Ich glaube, man kann überhaupt nie kritisieren, ohne den Charakter des betreffenden Pferdes zu kennen, oder den des Reiters, seine Methoden und Ziele ... das finde ich furchtbar schwer objektiv zu beurteilen!
Ehrlich gesagt, wenn ich vor einem Jahr jemanden gesehen hätte, der mit seinem Pferd so umgeht wie ich mit meinem hätte ich mir auch gedacht: Na servus, ist die grob! Aber Tatsache ist, dass es bei uns immer noch Tage gibt, wo der Herr Billy sich taub stellt und mich testet und - verbal und körpersprachlich - angeschrien werden muss. Wenn er sich auf STimmkommando, feine Handzeichen, grobe Handzeichen und schließlich die letzte Warnung noch immer wie ein Bulldozer auf mich zubewegt, obwohl er mein "bleib mir vom Leib" längst verstehen muss, dann kommt auch die Gerte zum Einsatz - andere Pferde in unserer Herde würden schon bei der ersten Warnung vor Schreck an der Decke kleben!
Und ein Außenstehender, der das an einem schlechten Tag beobachtet und nicht weiß, dass es auch gute Tage gibt, wo der erste Fingerzeig sehr wohl genügt, der denkt sich eben: No servus, pflegt die einen groben Umgang...

Ich habe sehr große Probleme, mich bei Billy durchzusetzen, wenn mir andere Leute zusehen. Komme mir sofort wie der große Pferdequäler vor. Letztens war eine Miteinstellerin mit am Viereck (ich hab Bodenarbeit gemacht). Es ging gar nix. Ich traute mich unter ihren Blicken nämlich nicht, nach Bitte, freundlicher Aufforderung und Befehl das ganze auch wirklich durchzusetzen - eben weil ich mich so beobachtet fühlte. Bis sie mich dann fragte: Was machst du denn da eigentlich? War offenbar nicht ersichtlich, einfach weil ich mich nicht traute, vor mir und ihr zuzugeben, dass hier feine Signale momentan nicht genügen, sondern der Herr Billy wieder mal einen klaren Ansager braucht.

P.S. zu dem verletzten Pferd im Parcour äußer ich mich absichtlich nicht, ich glaub darüber braucht man nicht diskutieren... natürlich gibts auch solche, aber ich glaube dennoch, dass das wenige sind.
Sheitana
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Beitrag von Sheitana »

@ lalala Ich weiß von einer aus dem alten Stall, wo das wirklich passiert ist.

Es geht mir auch nicht darum, dass man mal im Maul zieht, oder mal die Sporen reinhaut. Ich denke manchmal auch oft, uih, das war was viel oder so.

Im alten Stall ist mir das bei zwei Leute massiv aufgefallen. Das Pferd macht an der Longe einen Freudenbuckler, da wird wie irre an dem Gebiss gezerrt, das Pferd angeschrien. Es geht nicht über den Sprung, also wird es aus dem Stand darüber gehetzt, der Ausfallschritt dahinter wird wieder mit heftigem Rucken im Maul geahndet, denn es hat ja einen Schritt mehr gemacht als erlaubt. Selbiges Pferd war es auch, dass den Parcours nochmal springen musste, trotz Lahmheit.
Die andere hat ihrem Pferd ständig 4cm lange Sporen in die Seite gehauen, nicht, weil irgendwas war, wirklich ständig bei jedem Schritt.
Klar, das sind bestimmt zwei Extrembeispiele.

Aber wie kann man glauben, dass das richtig ist? Sowas verstehe ich einfach nicht.
Beide Pferde sind sehr schüchterne und vorsichtige Pferde die, wenn man auf sie eingeht auf kleinste Signale reagieren.

Kann man da noch sagen, es kommt auf den Blickwinkel an?

Naja, eigentlich kann man das schon...

Hat wohl weniger was mit Perfektionismus, als mit dem Hochmut vieler Menschen zu tun, die meinen sie dürften alles...

:roll:
LG
Sheitana
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lalala

Beitrag von lalala »

Ich halte das nicht für Hochmut - sondern für Dummheit und/oder Nicht-Wissen.
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