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Verfasst: Sa, 28. Jul 2012 08:49
von saltandpepper
Eben, so z.B. Junito.

man muß es halt auch verkaufen können ...
Meine Stute mochte anfänglich nicht sehr gerne Galöppen. Immer ein paar Sprüngchen und dann lieber wieder Trab. Weil es ihr schwer fiel, es gut auszubalancieren und zu kordinieren, weil sie ein bisserl zu viel Babyspeck hatte, weil sie ein sehr vorlastiges Pferd ist und schon auch mal den Gewerkschaftsbanner hisst.
Mit ihr habe ich ganz gezielt "sausen geübt". Heute ist sie eifrig, fröhlich und galoppiert sehr gerne, bietet mehr Tempo an und hält problemlos Strecken durch, bei denen sie früher auf dem ersten Drittel wohl einfach tot umgefallen wäre

.
Diese Freude am Galopp nimmt sie natürlich auch in die Bahn mit. Ihre Grundeinstellung zu dieser Gangart hat sich sehr geändert, seit sie darin geschickter und ausdauernder ist.
Ja Max, so sehe ich das auch
Gruß S&P
Verfasst: Sa, 28. Jul 2012 09:29
von Max1404
@S&P: Rocki ist schon seit Fohlentagen auf der Koppel lieber getrabt als galoppiert. Warum auch? Er kam ja mit seinen langen Beinen auch im Trab locker mit, wenn alle anderen galoppiert sind, schließlich war er mit knapp 2 Jahren ja schon 1,70 m groß ...
Durch seine extremen Wachstumsschübe ist ihm der Galopp sehr schwergefallen, und wirklich verbessert hat er sich erst, seitdem er ausgewachsen ist.
Die Tendenz war immer, sich etwas langzumachen (er hat ja auch einen laaaaangen Rücken).
Lange Jahre war es nicht einfach, ihn ganze Bahn zu galoppieren, ebenso Verstärkungen.
Mittlerweile ist er so weit, dass ich ihn gerne ganze Bahn galoppiere und die Sprünge verlängere (gerne beim ersten Mal galoppieren in einer Reiteinheit, weil er sich da so richtig schön Schwung holen kann und dadurch auch schneller und schöner bergauf kommt, als wenn ich ihn nur auf dem Zirkel galoppieren würde

). Aber bei ihm wird es vermutlich immer so bleiben, dass manche Dinge nur dann gelingen, wenn er sehr gut hinten unterspringt, ich sehr gut vorbereitet habe und er mental obendrein noch wirklich gut drauf ist (während es anderen Pferden auch unter weniger optimalen Bedingungen noch gelingt). Aber wir arbeiten dran.
Und seitdem sich der Galopp unterm Reiter verbessert hat, galoppiert er auch gerne auf der Koppel

(Und das mit dem Gewerkschaftsbanner kann Rocki auch sehr gut!

)
Micardo hat eine hervorragende Grundgaloppade in die Pferdewiege gelegt bekommen. Die Anforderungen, denen Rocki sich stellen muss, kann er sich in seinen schlimmsten Alpträumen nicht vorstellen.

Verfasst: Sa, 28. Jul 2012 12:09
von Lou mit Lucy
Internetfreak hat geschrieben:
LmL auch das Nordpferd ist ein Fluchttier und wird auf der Flucht im Galopp nicht zusammenbrechen.
Wir haben sogar im Stall Nordpferde die gerne und viel galoppieren und sogar gerne beim Freispringen Gas geben.
Ein Trainingsprogramm sollte immer auf das Individuum angepasst sein.
Wir sind doch im Grunde völlig einer Meinung
"Die schweren Nordpferde" (alle!

) waren genauso wie "die Friesen" natürlich stark verallgemeinert. Ich wollte nur hervorheben, dass es Pferde gibt, für die aufgrund ihrer körperlichen Vorraussetzungen (Körpermasse, Leistung von Herz/Lunge, Zusammensetzung der Muskelfasertypen) 20min Galopp deutlich mehr Training und Zeit brauchen als andere. Wenn man da mit der gleichen Erwartungshaltung rangeht wie bei einem auf Distanzen gezüchteten Araber verhagelt man denen schnell die Laune.
LG, Lou
Verfasst: Sa, 28. Jul 2012 12:23
von Internetfreak
Der Weg ist halt das Ziel.

Verfasst: So, 29. Jul 2012 09:52
von Honigkuchenpony
In "der Reiter formt das Pferd" wird ja auch vom Reisegalopp gesprochen, um Muskeln zu stärken.
Ich hatte ja neulich ein Aha Erlebnis, als ich mich beim Ausreiten verritten habe und nach 3 Stunden den Rückweg fand und dann ein bißchen Gas geben mußte, im Sinne von gediegenem Galopp, nicht gerast.
So was von leicht, kraftvoll und gleichmäßig in schöner Anlehnung.
Sonst bei kürzeren Ausritten war der Galopp schon mal unkontrollierter mit mehr in der Hand. Auf dem Platz viel angestrengter.
Da dachte ich: mit einer Stunde Platzarbeit wird ein 700 Kilo Pferd noch nicht mal warm.
Man müßte vorher wirklich einmal locker ausreiten und abgaloppieren.
Selbst nach einer ausgedehnten Lösungsphase. Es ist nicht dasselbe.
Verfasst: So, 29. Jul 2012 10:47
von Finchen
Honigkuchenpony hat geschrieben:In "der Reiter formt das Pferd" wird ja auch vom Reisegalopp gesprochen, um Muskeln zu stärken.
Ich hatte ja neulich ein Aha Erlebnis, als ich mich beim Ausreiten verritten habe und nach 3 Stunden den Rückweg fand und dann ein bißchen Gas geben mußte, im Sinne von gediegenem Galopp, nicht gerast.
So was von leicht, kraftvoll und gleichmäßig in schöner Anlehnung.
Sonst bei kürzeren Ausritten war der Galopp schon mal unkontrollierter mit mehr in der Hand. Auf dem Platz viel angestrengter.
Da dachte ich: mit einer Stunde Platzarbeit wird ein 700 Kilo Pferd noch nicht mal warm.
Man müßte vorher wirklich einmal locker ausreiten und abgaloppieren.
Selbst nach einer ausgedehnten Lösungsphase. Es ist nicht dasselbe.
Hm, aber ist der Reisegalopp und der den du bei diesem Ausritterlebnis hattest, nicht auch ein ganz anderer, als der Arbeitsgalopp auf dem Platz?
Dann ist die Frage, welchen Galopp wir wollen, denn der in der langen Ausrittetappe ist gewiß "gestreckter"!?
Ich habe einen indirekten Vergleich hier:
meine Vollblutstute konnte wahnsinnig "energiesparend" galoppieren, weil sie sehr lang ist, lange, flache Galoppsprünge machte im Gelände und bei Distanzen.
Mein Sockenpony hat trotz "unnordischer" Abstammung (Araber, Berber, Andalusier) irgendwie viel weniger Variationsmöglichkeit, da habe ich an der Doppellonge viel weniger Bandbreite "Galopp" die ich nutzen kann. Bei der Vollblutstute hat sich der Galoppsprung wesentlich stärker verändert.
Daher ist meine Theorie auch, dass es aufs Pferd ankommt, wie lange Galoppeinheiten tatsächlich förderlich sind. Für das Herzkreislauftraining wurde mir mal erklärt sei ein Intervalltraining wesentlich fördernder - aber das bezog sich auf die Vollblutstute, vielleicht ist es doch typabhängig!?
Verfasst: So, 29. Jul 2012 10:58
von Finchen
Internetfreak hat geschrieben:LmL auch das Nordpferd ist ein Fluchttier und wird auf der Flucht im Galopp nicht zusammenbrechen.
Wir haben sogar im Stall Nordpferde die gerne und viel galoppieren und sogar gerne beim Freispringen Gas geben.
Ein Trainingsprogramm sollte immer auf das Individuum angepasst sein.
Das mit den Pferdetypen sehe ich leicht anders, denn dazu hat der Mensch mit seiner Zucht auf spezielle Typen schon arg eingegriffen und an dem Fluchttierursprung sehr viele Veränderungen vorgenommen. Da glaube ich einfach, dass zB bei Kaltblütern mehr Aufwand betrieben werden muss, um das gleiche Galopplevel zu erreichen, wie bei Vollblütern, die dafür gezüchtet sind.
Was natürlich nicht bedeuten soll, dass es für alle Pferde sicher sinnvoll ist, dass sie gut und ausdauernd galoppieren können, ehe es an Versammlung geht. (drum ist bei vielen "Klassikern" meiner Meinung nach der Punkt Versammlung auch völlig falsch gewählt, es fehlt an dem Vorwärts, um Kraft und Ausdauer zu erlangen)
Verfasst: So, 29. Jul 2012 13:31
von SHEYENNE
Zum Thema Zeitpunkt der Versammlung kann ich dir nicht zustimmen, das sehe ich anders, aber in den unterschiedlichen Galoppveranlagungen gebe ich dir völlig recht.
Dies betrifft jedoch nicht nur Kaltblüter, bzw hier gibt es immense Unterschiede meine Tinkerdame tut sich unglaublich schwer dies bezüglich, sie traut sich einfach nicht sich richtig in den Galoppsprung reinfallen zu lassen, der Percheron den wir im beritt hatten, der galoppierte leicht wie eine Elfe, temperamentvoll, dynamisch und geschmeidig. Galoppschwierigkeiten zeigen tatsächlich auch die meisten Spanier und Portugiesen erstaunlicherweise, die tun sich schwer mit langen Schritten und Balance. Ich denke jedoch auch, dass Galopptraining wichtig und für jedes Pferd individuell anzupassen ist. Und Galopptraining setzt für mich schon eine gewisse Balance und das Hingeben des Rückens voraus, sonst mutiert es schnell zu schädlichem Gerenne, unschön für alle und völlig sinnfrei.
Verfasst: So, 29. Jul 2012 13:33
von Finchen
SHEYENNE hat geschrieben:aber in den unterschiedlichen Galoppveranlagungen gebe ich dir völlig recht.
Dies betrifft jedoch nicht nur Kaltblüter, bzw hier gibt es immense Unterschiede ...
Drum hatte ich ja den Vergleich als Beispiel genannt:
hochblütiges Pferd (Vollblut) und eben NICHT im Vergleich ein kaltblütiges Pferd (Mix aus Araber, Berber und Andalusier). Damit dürfte klar sein, dass ich eben nicht ausschließlich den Unterschied zwischen VB und KB zB sehe.
Verfasst: So, 29. Jul 2012 13:35
von Jen
naja, vielleicht müsste man da erst mal definieren, was man unter Versammlung versteht und ab *wann* Versammlung definiert ist. Sieht man Versammlung "nur" Lektionsabhängig, dann ist das vielleicht einfach, hier eine Grenze zu ziehen. Aber ich sehe Versammlung als eine bestimmte "Bewegungsform", welche grundsätzlich unabhängig von Gangart, Tempo und Lektion ist. Und da es sich von der lockeren, gestreckten Bewegungsform bis hin zur vollendeten versammelten Bewegungsform m.E. um ein Kontinuum handelt, ist so eine Mengenangabe von Minuten im Galopp als Voraussetzung für Versammlung eher sinnfrei.
Man könnte es ja auch umkehren und ein Pferd einfach trainieren, dass es 20min galoppieren kann und dann sagen: "jetzt bin ich bereit für Versammlung". Naja, ist ja wohl auch nicht so das Wahre...
Ich kann einfach nur aus meinem Alltag berichten und sagen, dass die meisten Pferd-Reiterpaare andere Probleme haben, als 20min galoppieren zu können. Von dem her finde ich das eh nicht wirklich relevant.

Verfasst: So, 29. Jul 2012 13:37
von Finchen
Jen:
dein letzter Abschnitt hat bei mir für heftiges Kopfnicken (durchaus in eigener Sache

) und positive Erheiterung gesorgt!

Danke!
Verfasst: So, 29. Jul 2012 13:44
von Max1404
..
Verfasst: So, 29. Jul 2012 14:49
von SHEYENNE
Danke Jen, da unterschreibe ich ebenfalls.
Verfasst: So, 29. Jul 2012 19:10
von Phanja
Jen hat geschrieben:naja, vielleicht müsste man da erst mal definieren, was man unter Versammlung versteht und ab *wann* Versammlung definiert ist. Sieht man Versammlung "nur" Lektionsabhängig, dann ist das vielleicht einfach, hier eine Grenze zu ziehen. Aber ich sehe Versammlung als eine bestimmte "Bewegungsform", welche grundsätzlich unabhängig von Gangart, Tempo und Lektion ist. Und da es sich von der lockeren, gestreckten Bewegungsform bis hin zur vollendeten versammelten Bewegungsform m.E. um ein Kontinuum handelt, ist so eine Mengenangabe von Minuten im Galopp als Voraussetzung für Versammlung eher sinnfrei.
Man könnte es ja auch umkehren und ein Pferd einfach trainieren, dass es 20min galoppieren kann und dann sagen: "jetzt bin ich bereit für Versammlung". Naja, ist ja wohl auch nicht so das Wahre...
Ich kann einfach nur aus meinem Alltag berichten und sagen, dass die meisten Pferd-Reiterpaare andere Probleme haben, als 20min galoppieren zu können. Von dem her finde ich das eh nicht wirklich relevant.

Jen - langsam solltest du wirklich einen "Die-es-auf-den-Punkt-bringt" Orden verliehen bekommen

Verfasst: Mo, 30. Jul 2012 20:44
von Yvonne
Runde um Runde, und das 20 Minuten am Stück auf dem Platz oder in der Halle galoppieren finde ich extrem langweilig.
Natürlich bringt das Kondition und Kraft.
Aber die holt man sich dann meiner Meinung nach einfacher und besser im Gelände.
Ich galoppiere auf dem Platz und in der Halle selten länger als 5 Minuten am Stück, mir kommt es mehr auf ein korrektes Angaloppieren, und die paar Galoppsprünge danach an, und wenn ich Lektionen im Galopp reite, mache ich nach max. 5 Minuten eine Pause im Schritt.
Und das, obwohl mein Pony auch mal gut eine halbe Stunde galoppieren kann im Gelände. Im Gelände ist das aber dann tatsächlich ein "Reisegalopp", ein ruhiger, absolut gleichmäßig gesprungener Canter, eher flach gesprungen, das Pferd dabei etwas länger im Hals. Auf dem Platz im Galopp mehr versammelt, mehr auf dem Hinterbein und mehr bergauf.