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Sicheres Anbinden - Womit?

Verfasst: Mo, 03. Nov 2008 16:16
von Jenni
Hallo,

meine Stute lässt sich zwar eigentlich sehr brav anbinden, nur passiert es leider immer noch hin und wieder, dass sie sich festzieht. Es ist zwar recht selten, aber es kommt eben vor.

Sie rastet dabei natürlich aus und hat sich und mich schonmal in eine dumme Situation gebracht. Einmal ist sie dabei ausgerutscht und hingefallen, ein anderes mal ist es genau da passiert, als ich sie bandagiert habe und so bin ich dummerweise unters Pferd geraten.
Bisher sind wir mit kleinen Blessuren davon gekommen, aber ich habe natürlich ein ungutes Gefühl.

In der Cavallo von November ist ein Artikel über einen neuen Panikhacken drin, der aber wohl noch nicht so ausprobiert ist (www.mdg-i.de) Hat den zufällig einer von euch? Springt er wirklich auf und ist er sein Geld wert?
Zum anderen hatte ich im Krämerkatalog den Anbindering von Michael Geitner entdeckt. Hat jemand mit diesem Ring Erfahrungen gemacht?
http://www.kraemer-pferdesport.de/websa ... 3%2fmd5%7d

Ich würde den Hacken bevorzugen, da er eben ganz normal ist wie jeder andere Führstrick auch. Den Anbindering müsste man jedes mal mit zum Putzplatz nehmen und einhacken.

Wie macht ihr das mit Pferden, die beim Festziehen panisch werden?

Verfasst: Mo, 03. Nov 2008 17:01
von stromboli20
unsere Stute bekommt regelmäßig bei Druck auf das Genick vor allem beim Anbinden Panikanfälle.
Extrem wurde das, als sie von Stallpersonal angebunden wurde und dann nachts vergessen wurde.
Seitdem ist sie sehr empfindlich. Wir haben uns von Kavalkade diese Halfter mit Elastikeinsatz geholt.
Sie sind klasse. Bei einem Anfall kommen die Pferde frei und beruhigen sich auf der Stelle.
Unsere Stute hat mittlerweile wieder so viel Vertrauen gefasst, dass man sie auch z.T. wieder "normal" anbinden kann - allerdings mache ich bei ihr das Halfter nie ganz zu.

Verfasst: Mo, 03. Nov 2008 18:51
von Plondy
Du könntest die billigere Variante versuchen und Klettband zwischen Halfter und Strick befestigen. Das geht auf.

Viele Grüße Tanja

Verfasst: Mo, 03. Nov 2008 20:10
von horsemanship78
Wenn das Halfter plötzlich aufgeht oder der Haken, ist die Gefahr des Überschlagens groß!!!
Lieber das Anbinden üben. Das Seil durch nen stabilen Anbindering und Du hast das Ende in der Hand (Flaschenzugwirkung). Du machst langsam Druck und Dein Pferd muss lernen, dem Druck zu weichen. Es kann sich vom druck befreien, indem es einfach nach vorne geht. wenn es das tt, ist der Druck weg. regelmäßig geübt, lernt Dein Pferd, auf Druck mit Weichen nach vorne zu reagieren und bekommt keine Panik mehr.

Viel Erfolg. Bei Fragen kannst Du Dich gerne an mich wenden :-)


LG Nadine

Verfasst: Mo, 03. Nov 2008 20:39
von orest
Hallo,

ich kann mich Nadine nur anschließen.

Man kann zunächst anfangen, nur mit Seil und Halfter (am besten ein Knotenhalfter) das nachgeben auf Zug am Halfter zu üben.

Die natürliche Reaktion eines Pferdes ist es immer, bei Druck dagegenzuziehen. Für ein Pferd in Obhut des Menschen ist diese Neigung sehr gefährlich, z.B. wenn es es angebunden wird, sich irgendwo verwickelt hat, auf seinen eigenen Strick tritt oder ähnliches.

Man kann diese Neigung dem Pferd sanft abtrainieren, so dass es ihm wirklich in Fleisch und Blut übergeht. Mein Pferd ist auf einem Ausritt in ein Stück Schafsdraht getreten, das unter Laub verborgen lag. Er war hoffnungslos verwickelt. Er hat regungslos verharrt (wie er es gelernt hatte) und gewartet, dass ich ihn auswickelte. Er hat nicht einen Kratzer zurückbehalten, zum riesenglück!

Also, mit Halfter und Strick hinstellen, und langsam Druck aufbauen, ganz sanft anfangen, den Druck schrittweise steigern und ab einem gewissen Punkt ganz einfach konstant halten, nicht zusätzlich 'ziehen'. Sofort und vollständig nachgeben, loben, wenn das Pferd auch nur den Versuch macht, nach vorne nachzugeben.

Danach das selbe am Anbinder, mit einem langen Strick den man in der Hand hält. Mit Knotenhalfter für die Bodenarbeit NIE anbinden!

Für Fortgeschrittene sind dann Übungen, nicht in Panik zu geraten, wenn Pferd auf dem eigenen Strick steht und die Simulation von 'einwickeln' im Zaun...

Ich hatte mit diesem Vorgehen bisher sehr guten Erfolg. Wackelkanditaten, die noch ein wenig unsicher sind würde ich immer über Widerristhöhe anbinden. Bis das Training sitzt würde ich das Pferd erstmal nicht anbinden (bzw. den Strick nur locker um den Anbindebalken legen)

Gruß Tina

Verfasst: Mo, 03. Nov 2008 20:58
von horsemanship78
Danke Tina, sehr gut erklärt. Jetzt weiß ich wer Du bist. habe Deine HP von Birgit Koll empfohlen bekommen ;-)

Tolle Seite, hab leider nocht nicht genug Zeit zum Lesen gehabt

Re: Sicheres Anbinden - Womit?

Verfasst: Di, 04. Nov 2008 04:57
von Tess
Jenni hat geschrieben:Hallo,


Zum anderen hatte ich im Krämerkatalog den Anbindering von Michael Geitner entdeckt. Hat jemand mit diesem Ring Erfahrungen gemacht?
http://www.kraemer-pferdesport.de/websa ... 3%2fmd5%7d

I
Eine Freundin von mir hat den (oder einen aehnlichen *nichtmehrgenauerinnere) Ring fuer ihr Pferd, das es sich zur Angewohnheit gemacht hat, sich durch "in Strick und Halfter haengen bis eines von beidem nachgibt" staendig selbst zu befreien.
Soweit ich weiss ist sie sehr zufrieden damit. Der Strick gibt halt langsam immer weiter nach und solange reingehaengt bis er hinten durchgerutscht ist, hat sich das Pferd noch nie.
Es hat diesen Bloedsinn inzwischen wegen Erfolglosigkeit aufgegeben.

Verfasst: Di, 04. Nov 2008 09:03
von Jen
Hallo

Mein Oldie hatte auch Panikanfälle, sobald Druck auf das Genick kam. Er hatte auch eeeewigs, bis er nicht mehr in eine totale Starre verfiel, wenn man ihm mit der Hand leichten Druck auf das Genick ausübte, um ihm Kopfsenken beizubringen (ich hab es ihm schlussendlich auf eine andere Art beigebracht). Bei ihm war es wirklich Panik, er hat sich auch total reingesteigert. Er war sonst ein total liebes Pferd, das keine Freiheiten ausnutzte. Früher beim Schmied wurde zb. immer ein Strohbändel zwischen Strick und Halfter gemacht, der strohbändel reisst. Wir hatten dann auch das kavalkade Elastikhalfter und schlussendlich hatten wir ihn auch gar nicht mehr angebunden, sondern nur noch den Strick um den Haken gewickelt. Wenn es ausnahmsweise vorkam, dass er sich reinhängen wollte, dann hat der Strick sofort nachgegeben und er hat sofort aufgehört zu ziehen. Bei ihm war es wirklich eine angstsache und hatte nichts mit Ungehorsam zu tun.

Verfasst: Di, 04. Nov 2008 11:04
von lancia
Der Panikhaken aus der jetzigen Cavallo soll nachgeben, bevor der Zug so groß ist, dass das Pferd sich überschlagen könnte.
Ab 250kg gibt dieser Panikhaken plus nach. Ob es aber auch wirklich funktioniert, keine Ahnung. Interessant finde ich das schon.

Klar, Training ist besser, aber wer kann mit Gewissheit sagen, dass ein panisches Pferd IMMER das gelernte umsetzt.

Verfasst: Mi, 05. Nov 2008 07:01
von gimlinchen
so sehe ichs auch. udn deshalb hab ich gleich stricke mit dem neuen haken bestellt.

natürlich übe ich mit meinem pferd. nur beschäftigt mich auch der gedanke, was ist, wenn ihn mal jemand anderes anbindet? ich bin furchtbar misstrauisch und biete auch meinen handverlesenen bekannten, die ihn mal longieren oder reiten, lieber den tollen panikhaken an.

Verfasst: Mi, 05. Nov 2008 20:05
von orest
Hallo,

meine Anbindeerfahrungen neben den schon beschriebenen Trainingsmaßnahmen:

meiner Erfahrung nach reißen die günstigen Standart- Nylonhalfter wenn ein Pferd die Panik bekommt- und zwar ziemlich schnell.

In allen Fällen die ich bisher miterlebt hatte, hatte es keine Folgen ausser einem kaputten Halfter. *klopfaufholz*. Diese Pferde hatten aber alle keine besondere Ausbildung genossen.

Zur Sicherheit trenne ich bei einem neuen Halfter eine Naht auf und nähe es mit einer Haushaltsnähmaschine wieder zusammen- so hat das Teil eine Sollbruchstelle.

Grundsätzlich nicht verwenden würde ich sehr stabile Halfter ohne weitere Sicherheitsmaßnahmen oder Knotenhalfter.

Ich würde immer hoch und relativ kurz anbinden, an einer festen Stange oder Haken bzw. Baum.

Beim Hufebearbeiten oä. binde ich Pferde grundsätzlich nicht an. Entweder das Pferd ist vernünftig erzogen und steht frei oder der Besitzer hält es fest.

Zusätzlich kann man -anstatt solcher Lösungen wie dem hier beschriebenen Panikhaken- einfach einen Ring Strohschnur zwischen Halfter und Strick bauen. Der reisst nicht, wenn sich ein Pferd normal verhält, nur wenn es die Krise bekommt.

Absichtsvolles Losreissen ist meiner Meinung nach ein Erziehungsproblem. Ich hatte mal ein RB- Pferd, der hat mit voller Absicht Halfter geschrottet und ist danach stiften gegangen- auf die Koppel z.B. Panik hatte er nicht, aber viel Kraft :-D (Schweres Warmblut) und wusste diese genau einzusetzen...

Von herkömmlichen Panikhaken halte ich übrigens gar nichts. Wenn man sie verwenden will, dann meiner Meinung nach nur neue, leichtgängige und nur am Anbinder. Ich führe kein Pferd mit herkömmlichem Panikhaken- Strick.
Begründung: 1. Panikhaken leiern sehr leicht aus und öffnen sich leicht wenn es nicht erwünscht ist. Mir ist schon mehr als ein Pferd in einer total blöden Situation entwischt, weil der sch... Panikhaken sich unbeabsichtigt geöffnet hat. Zudem sind die Standart- Stricke meiner Meinung nach zu kurz zum Führen. Ganz übel sind die Haken, wo der Finger zum öffnen hineingesteckt werden muss *grusel*

Besser sind hochwertige Panikhaken mit stabilem Drehmechanismus (an hochwertigen Stricken zu finden). Man muss aber immer berücksichtigen, dass man an ein panisches Pferd nicht mehr herankommt und auch den Strick nicht öffnen kann. Im Zweifelfall sollte das Halfter irgendwann nachgeben.
Wenn ein Pferd ruhig bleibt, wenn es sich irgendwo verfangen hat (in 90% der Fälle ist das verschuldet durch falsches, zu langes Anbinden) kann man einen unter Zug stehenden Drehmechanismus noch öffnen - aber auch den - hoffentlich korrekt geknüpften- Pferdeknoten am anderen Ende des Stricks.

Gruß Tina

Verfasst: Do, 06. Nov 2008 07:59
von Rinchen
Ich habe schon seit Jahren die Schnellöseschlaufe, die es bei Sabro gibt.
Hatte ich sowohl für meine Jungstute als auch jetzt für mein Pferd. Sie sind beide eigentlich brav beim Anbinden und stehen, aber es gibt ja immer mal wieder Situationen, wo mal was so erschreckt, dass sie panisch nach hinten ziehen, bei einem richtigen Ruck nach hinten geht die Schlaufe einfach auf und das Pferd steht frei ohne Verletzung und beruhigt sich dann meist recht schnell, war bei meinen beiden bisher immer so ( gibt bestimmt auch andere Typen).
Ich bin sehr begeistert von dem Teil, ist auch praktisch zum Anbinden und günstig.

Verfasst: Do, 06. Nov 2008 11:07
von Jen
Rinchen hat geschrieben:bei einem richtigen Ruck nach hinten geht die Schlaufe einfach auf
geht es nur beim Ruck oder auch bei starkem Zug auf? dAs war ja das Problem bei uns, dass mein Oldie sich nicht dreinwarf, sondern es reichte, dass er einen Schritt zuviel nach hinten machte, dann merkte er dass Zug aufs Genick kam und dann hat er immer stärker dagegen gezogen, bis er sich hinten fast draufgesetzt hatte und irgendwas dann riss. Panikhaken etc. lösten sich dann eben nicht von selber, weil es keinen Ruck gab, sondern einen konstanten, immer fester werdenden Zug. Das war auch problematisch mit den Anbindeknoten, die obwohl korrekt durchgeführt mit einem guten, dicken, festen Seil, sich so festzogen, dass man sie kaum lösen konnte. Deshalb hatten wir am Schluss darauf verzichtet, ihn überhaupt anzubinden. Er war aber auch so brav, dass er auch unangebunden immer stehen blieb. Ich glaub, damals gab es diese speziellen varianten von panikhaken noch gar nicht. auf jeden fall kannte ich sie leider nicht.

Verfasst: Do, 06. Nov 2008 11:43
von Rinchen
Jen: das kann ich so nicht sagen, ich hatte mehr die Situation, dass er sich reingehängt hat und es dann aufging. Aber das Gute bei deinem Problem wäre, dass es nicht passieren kann, dass sich da was festzieht und man den Knoten nicht aufbekommt, die Schlaufe lässt sich auch immer selbst ganz einfach aufmachen.

Verfasst: Do, 06. Nov 2008 12:40
von schreckenlucy
Meiner ist westernausgebildet. Er wurde also als ich ihn kaufte nur mit Lederhalfter und langem Strick mit Bullsnap angebunden. Einmal hat er sich am Anbindebalken angebunden die Stromleitung ins Maul genommen, die durch einen Sturm viel zu tief herab hing. Hätte ich beim Anbinden sehen müssen, habe ich aber nicht :oops: . Er biss also in die Leitung und fing an nach hinten zu ziehen. Ich bin nur vom Pferd weggesprungen und habe einen Brüll getan, wenn da der Knoten, der Strick, der Haken oder sonstwas nachgegeben hätte, wäre Abai gegrillt worden. So merkte er, er kommt nicht weg und trat einfach wieder einen Schritt vor und ließ die Leitung los. *schwitz*

Im neuen Stall angekommen waren die Anbinderinge an den Unterständen befestigt. Ich wurde beim Einzug schon gewarnt, dass ein Pferd schon mal statt den Haken aus dem Holzbrett das ganze Holzbrett abgerissen hat und damit panisch übers Paddock lief - mit bösen Verletzungen als Ergebnis.
Ich also n Stück Strohkordel zwischen Strick und Halfter - und ob ihr glaubt oder nicht, Abai machte sich ein lustiges Spiel daraus, dieses Bändchen zu zerreißen. Ging ich in die Sattelkammer, kam ich wieder raus, stand er immer noch relaxed an Ort und Stelle aber lose. Ich also wieder Strohbändchen geknotet, wieder in die Kammer rein und durch die Ritze gespingst. Er machte eine ruckartige Kopfbewegung, dabei riss sofort das Bändchen und dann machte er ein richtig zufriedenes Gesicht. Ist sicherlich vermenschlicht, aber egal.

Naja, das war es mit Anbinden am Strohbändchen. Am Stall binde ich gar nicht an, da hat er frei zu stehen, Strick am Boden oder über dem Hals. Auf Wanderritten nehme ich ein stabiles Halfter und einen Strick mit billigem Haken. Wenn er sich so tatsächlich mal losreißt, dann geht der Karabiner kaputt, aber das Pferd läuft wenigstens nicht ohne Halfter Richtung Bundesstraße :wink: