Einsatz des Sperrriemens

Themen zur Ausrüstung von Pferd und Reiter

Moderator: ninischi

kala12
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Beitrag von kala12 »

horido hat geschrieben:Also bei dem Link ist die Beschreibung nicht korrekt:

Ich schätze mal es ist der Nasenriemen gemeint und nicht der Sperriemen. Soll jetzt hier über den Nasenriemen diskutiert werden oder über den Sperriemen?
Hi,

in meiner Kindheit wurde der Begriff Reithalfter und Sperrhalfter synonym verwendet, da das Ding ja schon früher verwendet wurde, um die Pferde daran zu hindern, das Maul aufzusperren. Es <gab> eigentlich auch nur Hannoveranisches (zu kombinieren mit Trense) und Englisches (für Kandarenzäumung) Sperr- bzw. Reithalfter.

Eigentlich ist ein Reithalfter mit zusätzlichem Sperrriemen ja doppelt gemoppelt bzw. besonders gründlich zugebunden.

Viele Grüße

Carola
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Sonja
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Beitrag von Sonja »

Ein "Reithalfter" gibt es ja eigentlich gar nicht, weil man zum reiten kein Halfter braucht 8)

Ich habe mal eine Aussage gelesen:
Wenn ich keinen Nasenriemen benutze kaut mein Pferd und ist sehr ausgeglichen. Schnalle ich aber einen ein, und sei es nur ein engl. Nasenriemen der sehr locker, also mehr als 2 Finger weit, geschnallt ist, hört es auf und verspannt sich.
Ein Pferd ist ja nicht blöd.

Und ich glaube auch nicht dass ein Pferd den Nasenriemen benutzt um seinen Unterkiefer drauf zu legen. Der Druck kommt dann auf den (doch sehr schmalen im Vergleich zur Länge des Kopfes) Nasenriemen und der Kopf muss ja schlußendlich doch selbst getragen werden (es sei denn der Reiter macht das).

Für mich folgt aber aus der "Tragefunktion" des Oberkiefers ein vermehrter Halteaufwand des Halses und Genicks, was wiederrum zu einer Versteifung der Oberlinie führt, einen herausgedrückten Unterhals und einen durchhängenden, evtl durchgedrückten Rücken.
2 Shettys - halb so viel Nerven...

Sonja, wir vermissen Dich Maus!
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Lieschen
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Beitrag von Lieschen »

chantesse hat geschrieben:Übrigens soll ja dieser Österreicher, der mit Bosal schwere internationale Springen reitet, massiv intern Druck bekommen haben, weil damit seine Kollegen so schlecht dastehen im Vergleich, brems- und lenkungstechnisch gesehen...
das ist Quatsch.
JK war zunächst deutscher Staatsbürger und ist auch für Deutschland geritten. Dann wollte er ins Nationalteam, ist aber nicht berücksichtigt worden. In einem Interview gegenüber der Reiter-Bild = Cavallo hat er behauptet, dass der Hintergrund wäre, dass er auf Bosal reite.

Wer ihn aber mal hat reiten sehen, weiß, dass diese Behauptung in die Ecke der "ich habe einen Hafi, den die Richter nicht sehen wollen und weswegen ich in jeder E-Dressur nur eine 5,0 bekomme, weil schon da nur die Strampler vorne platziert werden" - Ausreden gehört. JK ist sicher kein schlechter Reiter, aber hat lange nicht die Pferde und die reiterliche Klasse, um gegen die sehr starke deutsche Springreiterkonkurrenz anzustinken. Das müsste man sich aber ehrlich eingestehen, offenbar kann er das nicht.

Also ist er Österreicher geworden, da ist die Konkurrenz nicht so groß.

Zum Nasenriemen: Ich reite ohne Sperrriemen, nur mit englischem RH.
Leider ist das auf Lehrgängen tatsächlich immer mal ein Diskussionspunkt. ich setze mich da allerdings immer durch. Bei einem Lehrgangs-RL, der partout wollte, dass ich meinem Pferd das Maul zuschnüre, habe ich auch schon mal die Stunde abgebrochen.
Ich würde mir in diesem Punkt wirklich deutlich mehr Kontrollen auf den Turnieren wünschen.
lalala

Beitrag von lalala »

Mal abgesehen davon gibt es doch mittlerweile mehrere Springreiter die ihre Pferde gebisslos vorstellen. Ein Hackamore ist doch z.B. Gang und Gäbe...

Gebisslos bedeutet ja auch nicht gleich sanftes reiten.
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Finchen
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Beitrag von Finchen »

lalala hat geschrieben:Mal abgesehen davon gibt es doch mittlerweile mehrere Springreiter die ihre Pferde gebisslos vorstellen. Ein Hackamore ist doch z.B. Gang und Gäbe...

Gebisslos bedeutet ja auch nicht gleich sanftes reiten.
Ne, mit ner Hackamore (die ja in der Regel nicht ein Bosal ist sondern eine mechanische Hackamore) ist es eher gar nicht sanft, da spielen dann die Nerven die rund um den Pferdekopf verlaufen, eine erhebliche Rolle in Kombi mit den Hebelkräften der Zäumung.
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ottilie
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Beitrag von ottilie »

Ich bin gespannt wer jetzt den Bogen zu Schlaufzügeln spannt... :roll:

Die Entwicklung der Themem ist doch immer wieder interessant.
Es grüsst ottilie
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Wo die Kraft anfängt, hört das Gefühl auf (Moshe Feldenkrais)
lalala

Beitrag von lalala »

Egal ob Bosal, ein Bitless Bridle , Sidepull, Glücksrad etc. man nutzt doch auch bei gebisslosen Zäumungen immer einen Nasenriemen und den Druck auf den Nasenrücken...
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Finchen
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Beitrag von Finchen »

lalala hat geschrieben:Egal ob Bosal, ein Bitless Bridle , Sidepull, Glücksrad etc. man nutzt doch auch bei gebisslosen Zäumungen immer einen Nasenriemen und den Druck auf den Nasenrücken...
Es ist hier OT, aber wenn du die Einwirkung eines Bosal (eben auch Hackamore genannt) gleichsetzt mit einer mechanischen Hackamore, dann sind da einige Dinge nicht bedacht, da liegen Welten zwischen.

Sidepull, Bosal - wirkt auf dem Nasenrücken, aber nur "einfach".
Mechanische Hackamore, Glücksrad zB wirken mit Hebelwirkung auch aufs Genick und Unterkiefer.
lalala

Beitrag von lalala »

Finchen,

es geht einfach nur darum, dass sich ja auch einige negativ gegenüber dem RH äussern und man mal darüber nachdenken sollte, ob gebisslose Alternativen denn wirklich so freundlich sind :wink:

Man kann mit jedem Hilfsmittel Schindluder treiben, doch grundsätzlich sollte man doch nicht immer vom worst case ausgehen.
chantesse
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Beitrag von chantesse »

bei Finchen unterschreibt,
das klassische Bosal sollte nicht einer Aufzählung mit rein mechanisch wirkenden gebisslosen Zäumungen stehen.
Wirkungs- und Anwendungsweise ist komplett unterschiedlich.
esge
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Beitrag von esge »

Das englisch-kombinierte Halfter kam auf, weil rein antomisch (Nasenknorpel, Länge der Maulspalte) nicht bei jedem Pferd das hannoversche Halfter korrekt zu verschnallen ist. Dies scheint bei moderneren Pferdeköpfen häufiger vorzukommen als beim altmodisch hannoverschen Rummsschädel.
Da steckte also erstmal eine ganz vernünftige Überlegung hinter, dieses kombinierte Halfter zu entwickeln - zumindest vorausgesetzt, man meint überhaupt ein Reithalfter zu brauchen.
Das hannoversche Halfter war ehedem ein Korrekturhalfter für Pferde, die den Unterkiefer SEITLICH verschoben, um der Einwirkung der Hand zu entgehen. Dann wurde aus dem Korrekturhalfter ein Standardausrüstungsgegenstand, der manchen pferden nicht passte. Woraufhin das Ersatz-Korrekturhalfter dann ebenfalls zum Standardausrüstungsgegenstand mutierte, über das die meisten einfach gar nicht mehr nachdenken.
die Sache mit dem entspannteren Unterkiefer halte ich für ein Märchen. Wenn mein Pferd seinen Unterkiefer auf dem Reithalfter ablegen muss, ist es in einem komatösen Zustand, in dem Reiten ohnehin nicht mehr sehr sinnvoll ist... :roll:
Loslassen hilft
kala12
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Beitrag von kala12 »

Egal ob Bosal, ein Bitless Bridle , Sidepull, Glücksrad etc. man nutzt doch auch bei gebisslosen Zäumungen immer einen Nasenriemen und den Druck auf den Nasenrücken...
..anstatt des Druckes im Maul (je nach Gebiß an unterschiedlichen Stellen).
das klassische Bosal sollte nicht einer Aufzählung mit rein mechanisch wirkenden gebisslosen Zäumungen stehen.
Im Prinzip wirkt´s genauso mechanisch, ist jedoch aufgrund der Zügelbefestigung nicht so einfach eindeutig zu verwenden.

Daß bei den verschiedenen gebißlosen Zäumungen je nach Exemplar neben Druck auf den Nasenrücken auch Druck auf andere Stellen am Kopf ausgeübt wird, ist ja klar.

Das ist bei Zäumungen mit Gebiß genau so.

Viele Grüße

Carola
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ottilie
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Beitrag von ottilie »

esge hat geschrieben:Wenn mein Pferd seinen Unterkiefer auf dem Reithalfter ablegen muss, ist es in einem komatösen Zustand, in dem Reiten ohnehin nicht mehr sehr sinnvoll ist... :roll:
:lol: :lol: :lol:

Nach dem Motto "Wenn Du entdeckst daß Du ein totes Pferd reitest, steig ab" (Weisheit der Dakotaindianer)
Es grüsst ottilie
~~~~~~~~~
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Finchen
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Beitrag von Finchen »

lalala hat geschrieben:Finchen,

es geht einfach nur darum, dass sich ja auch einige negativ gegenüber dem RH äussern und man mal darüber nachdenken sollte, ob gebisslose Alternativen denn wirklich so freundlich sind :wink:

Man kann mit jedem Hilfsmittel Schindluder treiben, doch grundsätzlich sollte man doch nicht immer vom worst case ausgehen.
Das stimmt absolut!

Allerdings finde ich tatsächlich den Aspekt spannend, ob und wie sehr ein Sperrhalfter ein Pferd "stört" wenn es im Unterkiefer nachgibt weil es dann dort begrenzt.
saltandpepper

Beitrag von saltandpepper »

Butterfly, hast du deine Physio mal reiten sehen ? Manchmal eröffnet das einen Zugang zu solch seltsamen Argumenten.... ( manchmal sind es nämlich reine Theoretiker oder aber sie reiten entsprechend)

Wenn ein Pferd den "Kiefer in den Nasenriemen hängen" müsste, um entspannt zu sein, wären ja alle freien ungezäumten Pferde auf der Weide in dauerndem muskulären Totaldiseaster !

Eine solche Aussage macht nur Sinn, wenn man ein Gebiß mit dem Hintergrund von Kraft und "Lenkung" und/ oder "Stütze" nutzt.
Wirkt Kraft mit tiefer Hand und rückwärtsgerichtetem Zug auf das Gebiß, so mag das einen Sinn ergeben, aber bis das Pferd ernsthaft beim "Gegenziehen"muskulär so ermüdet, daß es sich in den Sperriemen hängen muß, möchte ich ehrlich gesagt nicht wissen, wie die Knochenhaut der Laden und die Zunge aussehen.

Oder anders gesagt, hängt sich das Pferd in den Sperriemen, ist es entweder tot im Maul oder vollständig auf den Kopf geritten.

Und auch gute Physios reiten u.U. so... z.B. kenne ich einen namhaften ( Physiotherapeuten-) Ausbilder, den ich regelmäßig und konsequent habe mit Kraft und derbster Hand reiten sehen, das Pferd eng, tief zwischen Hand und Sitz geknallt , auf den Kopf geritten und dann kräftigst nachgetrieben und dann aber holla, die Waldfee.... - falsch verstandene Reitlehre, falsch ungesetzt, aber ohne die Fähigkeit, es in Frage zu stellen.
Wenn so jemand das dann an seine Schüler weitergibt, ist schnell mal so ein Argument in Umlauf....

Ich finde sowas ehrlich gesagt haarsträubend ! :shock:
Bist du so lieb und fragst deine Physio mal, woher sie diese Begründung hat und wie sie sie muskulär begründet ? Bzw. wie sie darauf kommt, daß das Reiten mit Gebiß beim Pferd massiven Krafteinsatz der Kiefermuskulatur erfordert ? Es würde mich wirklich ernsthaft interessieren. Auch im Hinblick darauf, daß ich mich tagtäglich mit solchen Argumenten herumschlagen muß und auch, um ggf. mal einen entsprechenden Brief zu schreiben....
LG S&P
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