Pladoyer für die Besinnung auf die klassischen Prinzipien

Rund um die klassische Reitkunst

Moderatoren: Julia, ninischi, Janina

Motte
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Beitrag von Motte »

maulfrei :o) hat geschrieben:
Die Passage (2:25-2:32) gefällt mir z.B. gar nicht, trotz mächtiger Beinaktion: Die Beine "zucken" nach oben, insbesondere die Hinterbeine, und verharren einen Moment in der Luft. Der Rücken sieht dabei ganz und gar nicht losgelassen aus. Eine solche Passage wirkt auf mich wie ein gewaltiger Kraftakt und ist mir deutlich zu weit weg vom natürlichen Bewegungsfluss des Pferdes.
Ach - doch ganze 7 Sekunden einer Lektion aus einer fast 7 minütigen Aufgabe sind suboptimal gelaufen - DAS ist natürlich ein Grund....
:roll:

Generell: Zur Beurteilung der Qualität einer Lektion dient - so ganz nebenbei bemerkt - nicht die Lektion nur an sich, sondern: wie kommt das Reiter/Pferdepaar IN die Lektion und wie wieder raus? Sprich: die Übergänge!
Und wenn ich da den Klimke-Ritt mit Nektor sehe...naja. Beim ersten Mitteltrab durch die Diagonale "fällt" der ja geradezu in die Diagonale. Da sind die allerwenigsten Übergänge wirklich gelungen.
Aber immerhin.....er hat die Nase schön!
grisu
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Beitrag von grisu »

esge hat geschrieben:Puh. habe mir Damon Hill grad angeschaut.

Ich stelle mal wieder meine Ketzerfrage: Wo ist der versammelte Trab?
Und nein, mir gefällt's nicht wirklich. Das Pferd läuft wie eine Marionette, völlig überzogen, der Bewegungsablauf in dieser Pseudo-Passage-Versammelter-Trab-MitteltrabweißderTeufelwasdasseinsoll ist zerhackt und zerstört. Der Vorderhuf tritt nicht einmal dahin, wo er oben in der Luft hinzeigt. Hinten, klar, enormer Motor.
Das ist Show. Brillante Show. Aber keine klassische Dressur.

Die Nase ist hier echt nicht mein Problem. Auch nicht der Schritt.

Na ja, ich werde einfach kein Freund dieser High-End-Dressur.
Das ist eine Frage, die mich auch deutlich mehr beschäftigt als Nase ein Zentimeter weiter vorne oder hinten.

Die Anforderungen eines Grand-Prix sind durch die Abfolge der Lektionen und die Breite der geforderten „Hochbegabungen“ so groß, dass man „ehrlich“ kaum eine Chance hat.

Bei dem Video von IK musste ich an eine Bekannte denken, die inzwischen mit einem Berittpferd erfolgreich Grand-Prix reitet, das sie eigentlich für nicht so geeignet hält. Sie wundert sich manchmal selber über die Platzierungen. Fakt ist einfach: Sie kann als Profi dieses Pferd so geschickt vorstellen, dass die Baustellen nicht so sichtbar sind. Die Richter sehen mordmäßige Bewegungen und übersehen den weniger guten und reellen Bewegungsablauf - und die anderen sind einfach schlechter.

Ich freu mich über tolle Reiter und tolle Pferde, aber es gibt dabei für meinen Geschmack in der Turnierszene zu viel, was für mich beim Reiten keinen Platz haben sollte. Andererseits zeigen z.B. marquisas Bilder hier im Forum den anderen Weg und machen wieder Hoffnung.

Vielleicht bin ich aber auch überempfindlich, weil ich lange in einem Turnierstall (allerdings Springen) gearbeitet habe und am Ende so wie einige unserer Korrekturpferde einfach "turniersauer" war.
maulfrei :o)

Beitrag von maulfrei :o) »

esge hat geschrieben:Puh. habe mir Damon Hill grad angeschaut.

Ich stelle mal wieder meine Ketzerfrage: Wo ist der versammelte Trab?
Und nein, mir gefällt's nicht wirklich. Das Pferd läuft wie eine Marionette, völlig überzogen, der Bewegungsablauf in dieser Pseudo-Passage-Versammelter-Trab-MitteltrabweißderTeufelwasdasseinsoll ist zerhackt und zerstört. Der Vorderhuf tritt nicht einmal dahin, wo er oben in der Luft hinzeigt. Hinten, klar, enormer Motor.
Das ist Show. Brillante Show. Aber keine klassische Dressur.

Die Nase ist hier echt nicht mein Problem. Auch nicht der Schritt.

Na ja, ich werde einfach kein Freund dieser High-End-Dressur.
Ich freue mich total über deinen Beitrag, esge!!!
Ich sehe es so wie du.
Mir missfällt auch keineswegs nur die Nase - auch wenn ich natürlich denke, dass diese für das Endergebnis mit eine Rollle gespielt haben könnte....
Max1404
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Beitrag von Max1404 »

maulfrei :o) hat geschrieben:Mir missfällt auch keineswegs nur die Nase - auch wenn ich natürlich denke, dass diese für das Endergebnis mit eine Rollle gespielt haben könnte....
Willst Du damit andeuten, dass Du der Meinung bist, dass der Ausbildungsweg von Damon Hill falsch war?
Viele Grüße
Sabine
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saltandpepper

Beitrag von saltandpepper »

Der Ritt von H.L. hat einige klassische Elemente, der Schritt ist im Vergleich recht gut, finde ich, dieser Pseudoschwebeltrab ist halt jetzt eine Modeerscheinung. :roll: . Klar ist das Show. Schulterzuck.
grisu
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Beitrag von grisu »

Turnierreiten ist ein Grenzgang, damit muss man sich vielleicht einfach abfinden.

Was meiner Meinung nach wichtig ist, ist dass die grundlegende Ausbildung ok ist und die Show nur während der Prüfung stattfindet - und dass die Beteiligten das wissen und damit umgehen können. Solange die Showelemente auf der Grundlage einer reellen Ausbildung basieren, kann ich damit leben (aber gefallen tut es mir nicht ...)

"High End" wie es esge formuliert, trifft's. Spezialisierte Verwendung für eine hohe sportliche Anforderung. Diese Dressuraufgaben sind nicht dafür da, die Pferde schön vorstellen zu können, sondern sie beinhalten Klippen und Hindernisse, an den die weniger guten scheitern sollen, um den Sieger zu ermitteln. Da sind sie nicht anders als ein anspruchsvoller Springparcours, der nur für die besten Paare zu überwinden ist - und auch dann nur mit Mühe.

Das ist Leistungssport und keine Kunst - und es gelten die Regeln des Sports. Übrigens zielen auch die Forderungen der klassischen Ausbildung, soweit es z.B. die HDV betrifft, nicht auf Harmonie etc., sondern auf die Reitbarkeit der Pferde im Gelände, d.h. letztlich ihren Gebrauch für den Kriegseinsatz.

Die gute Nachricht aber ist: Glücklicherweise müssen wir heute weder in den Krieg noch aufs Turnier. Wir sind in der glücklichen Lage, unsere Pferde frei von solchen Zwängen so pferdegerecht auszubilden, wie wir wollen. Das ist eine Freiheit, die vor unserer Zeit nur ganz wenige Privilegierte hatten.
esge
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Beitrag von esge »

Dann würde ich dasselbe Pferd gern mal ohne den Zirkus geritten sehen. Wenn es keine Noten gibt sondern der Reiter es auf Fluss, losgelassenheit und Harmonie anlegt. Träum
Loslassen hilft
Motte
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Beitrag von Motte »

bubi9191
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Beitrag von bubi9191 »

Darf ich mal - rein interessehalber - fragen, ob es eurer Meinung nach ein Reiter/Pferd Paar gibt (gerne Video!) der eine solche Aufgabe mit diesen Lektionen so reitet, dass es euch gefällt?

Das würde ich wirklich gerne mal sehen - ohne irgendeinen Unterton. Mich interessiert es wirklich.
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Tossi
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Beitrag von Tossi »

Da werden wir leichter ein Perpetuum Mobile finden wie einen Ritt, der hier allen gefällt...
LG Elisabeth
Die Schönheit der Dinge lebt in der Seele dessen, der sie betrachtet. (David Hume)
geolina
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Beitrag von geolina »

hallo,

was mich an maulfreis bewertung zu dem: aber schön vds ein wenig stört, ist, dass es bei mir naiv ankommt.

in der prüfung werden alle - auch anky - versuchen vds zu reiten. und das meine ich mit sicherheit nicht gegen ik gerichtet, aber gerade in der dressurwelt ganz oben wird man nur eine handvoll von leuten finden, die nicht streng hds trainieren und eben nur in der prüfung vds oder ads reiten.

alex
irgendwann wird`s schon nach reiten aussehen - irgendwann ...
Motte
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Beitrag von Motte »

adS - *abwinkt*

Und du meinst, ein adS würde hier akzeptiert?
*belustigtgrinst*
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Gawan
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Beitrag von Gawan »

Motte hat geschrieben:Esge:
http://m.youtube.com/watch?v=mdtuhByWimc
Mir gefallen ja die Polster unter dem Nasenriemen, wie fürsorglich. Natürlich muss man den Nasenriemen richtig anziehen, damit sie nicht rausfallen. :evil:

Gibt es eigentlich keine Kandarenzäume mehr, bei denen der Nasenriemen aus einem simplen Lederstreifen besteht?
"Der Reitlehrer sei unser eigenes Pferd" SGS
(und der Schüler zeige Geduld, Demut und Hingabe)
Draussen bin ich 4:0 unterwegs, in der Halle 3:1, manchmal 1:3.
esge
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Beitrag von esge »

Danke für den Link,
Das macht meine Meinung jetzt leider so gar kein bisschen besser, ehrlich gesagt...

Bubi, ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich mir Klimke und Balkenhol lieber angesehen habe damals. Und die ritten auch GP. Kann aber sein, dass sich auch einfach meine Einstellung geändert hat. Aber zu Zeiten der oben genannten war ein versammelter Trab noch ein versammelter Trab, eine Passage eine Passage, eine Piaffe eine Piaffe (auch wenn die von Damon Hill spektakulärer sind) und ein Grand Prix de Dressage war eben das. Und kein Hochweitwettbewerb im Beine hochreißen.
Loslassen hilft
charona
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Beitrag von charona »

Gawan hat geschrieben:Mir gefallen ja die Polster unter dem Nasenriemen, wie fürsorglich. Natürlich muss man den Nasenriemen richtig anziehen, damit sie nicht rausfallen. :evil:
Gawan, da hab' ich genau das gleiche gedacht wie Du :)

und ansonsten kann ich Esge nur beipflichten, zumindest zu dem eingestellten Link.
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